114 Gewerbebetriebe haben sich in Reininghaus bereits angesiedelt, mehr als 4.000 Menschen wohnen dort schon – und trotzdem stehen in den Erdgeschoßzonen des neuen Grazer Stadtteils noch auffällig viele Flächen leer. Genau dafür hat die Stadt eine eigene Förderung aufgelegt, die kaum ein Grazer Gründer kennt – dabei zahlt die Stadt hier aktiv mit, wo sie anderswo in Graz nur verwaltet. Ein Überblick über Zahlen, Förderung, Geschichte und Zeitplan für 2026.
Ein Stadtteil, der noch mitten im Wachsen ist
Reininghaus liegt westlich der Grazer Innenstadt auf dem ehemaligen Brauereigelände und soll nach vollständigem Ausbau knapp 12.000 Menschen Platz bieten – aktuell sind es gut 4.000. Verantwortlich für die Nachbarschaftsarbeit ist der im Juni 2023 gegründete Verein Stadtteil Graz Reininghaus unter der Leitung von Alexander Daum und Birgit Leinich, finanziert unter anderem mit rund 320.000 Euro der Stadt Graz für Stadtteilmanagement, Nachbarschaftsarbeit und Treffpunkte wie die Tennenmälzerei. Im Frühjahr 2026 lief bis Ende März eine umfassende Mobilitätsbefragung durch das Büro verkehrplus, deren Ergebnisse am 7. Mai 2026 in der Tennenmälzerei vorgestellt wurden – ein Signal, dass die Stadt den Stadtteil noch aktiv nachjustiert, statt ihn einfach fertigzubauen und sich selbst zu überlassen. Konkret nahmen zwischen 23. Jänner und 27. März 2026 genau 552 Personen an der Befragung teil, umgerechnet rund zehn Prozent der Reininghaus-Bevölkerung – eine für die Veranstalter ungewöhnlich hohe Rücklaufquote. 71 Prozent der Befragten gaben an, mit dem Leben in Reininghaus zufrieden zu sein, zwei Drittel bewerteten das Konzept eines verkehrsberuhigten Stadtteils positiv. Zwar besitzen rund zwei Drittel der Haushalte ein eigenes Auto, genutzt wird es aber nur von etwa einem Viertel täglich – mehr als 65 Prozent legen den Weg zu Arbeit oder Ausbildung stattdessen mit Öffis oder dem Rad zurück. Im diskutierten Szenario eines vollständig verkehrsberuhigten Viertels läge der Öffi-Anteil bei 44 Prozent, der Autoanteil nur noch bei 26 Prozent.
Vom Brauerei-Gelände zum Stadtteil
Der Name Reininghaus ist kein Marketing-Erfindung, sondern geht auf die Unternehmerfamilie Reininghaus zurück: 1853 erwarb der aus Deutschland stammende Johann Peter Reininghaus das sogenannte Mauthaus im Grazer Steinfeld und gründete mit seinem Bruder Julius die Firma „Brüder Reininghaus“ – die erste dampfbetriebene Brauerei der Steiermark. Bis 1892 wuchs der Betrieb auf 700 Beschäftigte und war damit einer der größten Arbeitgeber der Region, mit eigenem Bahnanschluss an die Südbahn. 1939 emigrierte die Familie, 1944/45 wurde die Brauerei mit jener in Puntigam zwangsfusioniert, auf dem Gelände liefen zeitweise Rüstungsproduktionen. Einzelne historische Gebäude stehen bis heute unter Denkmalschutz und mussten in die Neuplanung integriert werden – wer heute durch Reininghaus geht, läuft an Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert vorbei, die zwischen Neubauten stehen geblieben sind. Eines dieser Gebäude, die 1888 errichtete und wegen ihrer besonderen Gewölbekonstruktion denkmalgeschützte Tennenmälzerei, diente ursprünglich der Verarbeitung von Getreide für die Bierproduktion und im Zweiten Weltkrieg als Krankenstation für dort eingesetzte Zwangsarbeiter. Seit ihrer Wiedereröffnung im April 2025 ist sie mit zwei je rund 600 Quadratmeter großen Ebenen – eine davon mit Platz für bis zu 240 Personen bei Märkten oder Konzerten – das kulturelle und soziale Zentrum des neuen Stadtteils und Sitz des Stadtteilmanagements.
Die Sockelzonenförderung: bis zu 5.000 Euro für neue Betriebe
Wer als Unternehmen in eine Erdgeschoßzone (Sockelzone) in Reininghaus oder im benachbarten Smart-City-Areal einzieht, kann bei der Stadt Graz eine Mietförderung beantragen. Sie deckt 50 Prozent der Nettomietkosten für bis zu zwölf Monate, gedeckelt bei insgesamt 5.000 Euro pro Unternehmen – anerkannt werden dabei nur Nettomieten bis maximal 12 Euro pro Quadratmeter. Voraussetzung ist eine aufrechte Gewerbeberechtigung, maximal 50 Beschäftigte im gesamten Unternehmen und ein Geschäftsmodell, das sich als klimafreundlich, nachhaltig oder innovativ einordnen lässt – die Bandbreite reicht von Handel und Gastronomie bis zu Kultureinrichtungen. Die Förderung gibt es nur einmal pro Unternehmen, beantragt wird ausschließlich online über ein E-Government-Formular der Stadt Graz, mit Mietvertrag, Unternehmensbeschreibung und Wirtschaftskonzept als Unterlagen. Rückwirkend gilt die Förderung nicht – erst ab Antragsdatum werden Zahlungen anerkannt, ein Grund, den Antrag noch vor der Vertragsunterschrift oder zumindest unmittelbar danach zu stellen.
Was 2026 an Infrastruktur noch dazukommt
Baulich tut sich in Reininghaus einiges: Die Unterführung Josef-Huber-Gasse soll 2026 starten und Reininghaus verkehrstechnisch besser an die Innenstadt anbinden, sowohl für Rad- als auch für Autoverkehr – bisher trennt die stark befahrene Josef-Huber-Gasse den Stadtteil spürbar vom Rest der Stadt. Im Quartier 2 entsteht bis 2028/2029 ein markanter 75 Meter hoher Turm mit Skybar und einem Kunstwerk von Erwin Wurm, dazu ein großer Eurospar als Ankermieter, Büroflächen und 400 zusätzliche Tiefgaragenplätze – für den Herbst 2026 ist dort bereits eine temporäre Postfiliale angekündigt, damit die wachsende Bevölkerung nicht bis zur endgültigen Fertigstellung auf einen Postservice vor Ort warten muss – ein pragmatischer Zwischenschritt, der zeigt, dass Nahversorgung in Reininghaus nicht erst mit dem letzten fertigen Gebäude beginnt, sondern parallel zur Bauphase mitgedacht wird. Für die kommende Bauphase sind außerdem 66 geförderte Mietwohnungen in Fertigstellung. Wer sich als Unternehmen in Reininghaus ansiedeln will, sollte diese Bauzeitpläne im Kopf behalten: Solange die Unterführung nicht fertig ist, bleibt die Verkehrsanbindung eingeschränkt, was sich direkt auf Anlieferung und Kundenverkehr auswirken kann – ein Punkt, der in der Wirtschaftlichkeitsrechnung neben der Förderung mitgedacht werden sollte.
Smart City Graz: der kleinere Nachbar mit gleicher Förderung
Wer bei der Sockelzonenförderung an Reininghaus denkt, übersieht leicht, dass dieselbe Förderung auch im benachbarten Smart City Graz Waagner-Biro gilt – einem zweiten neuen Stadtteil rund um den Grazer Hauptbahnhof, auf einem gut 127.000 Quadratmeter großen ehemaligen Bahn- und Industrieareal. Geplant sind hier 60 Prozent Wohnnutzung, 20 Prozent Gewerbe und 20 Prozent Nebenflächen wie Tiefgaragen und Fahrradabstellräume. Fertiggestellte Bauten wie das Smart Quadrat mit 120 Mietwohnungen in Größen von 37 bis 97 Quadratmetern oder Smart City Süd mit 252 Wohnungen über sechs Geschoße und einer Gewerbezone im Erdgeschoß zeigen, dass hier ein ähnliches Muster wie in Reininghaus entsteht: Wohnraum zuerst, Gewerbe zieht nach – und genau in dieser Phase wirkt die Mietförderung am stärksten, weil die Kundenfrequenz noch aufgebaut werden muss. Für Gründerinnen und Gründer bedeutet das: Die Förderung lässt sich an zwei Standorten in Graz nutzen, nicht nur an einem. Anders als Reininghaus liegt Smart City Graz direkt am Hauptbahnhof, also mit besserer überregionaler Anbindung per Bahn – ein Vorteil für Betriebe mit Kundschaft von außerhalb Graz, während Reininghaus stärker auf die umliegenden Wohnquartiere und den innerstädtischen Zubringerverkehr setzt. Welcher der beiden Standorte besser passt, hängt also weniger von der Förderhöhe ab – die ist an beiden Standorten identisch – sondern vom Geschäftsmodell und der erwarteten Kundschaft.
Warum sich der Blick für Gründer lohnt
Anders als in der historischen Innenstadt, wo Top-Lagen wie die Herrengasse trotz einzelner Schließungen weiterhin gefragt sind, ist Reininghaus noch ein Stadtteil im Aufbau – mit entsprechend günstigeren Einstiegskonditionen und einer aktiven Förderung, die es in dieser Form in kaum einem anderen Grazer Bezirk gibt. Wer ein Geschäftsmodell hat, das sich glaubwürdig als nachhaltig oder innovativ positionieren lässt, findet hier eine der wenigen Grazer Adressen, an denen die Stadt aktiv für neue Betriebe zahlt statt nur zu verwalten. Der Haken: Die Kundenfrequenz eines noch wachsenden Stadtteils ist naturgemäß geringer als in der Innenstadt – wer auf Laufkundschaft angewiesen ist, sollte das in die Kalkulation einpreisen, nicht nur die Förderung.
So läuft die Antragstellung in der Praxis
Wichtig für die Reihenfolge, ein Detail, das in der Praxis leicht übersehen wird: Erst der Mietvertrag, dann – möglichst unmittelbar danach – der Förderantrag, denn rückwirkend werden keine Zahlungen anerkannt. Neben dem unterschriebenen Mietvertrag verlangt die Stadt eine kurze Unternehmensbeschreibung und ein Wirtschaftskonzept, das plausibel macht, warum sich das Geschäftsmodell als klimafreundlich, nachhaltig oder innovativ einordnen lässt – ein Kriterium, das bewusst weit gefasst ist und von der Reparatur-Werkstatt über das Bio-Café bis zum Coworking-Angebot reicht. Das Formular selbst läuft ausschließlich über das E-Government-Portal der Stadt Graz, eine persönliche Vorsprache ist dafür nicht nötig. Wer unsicher ist, ob das eigene Geschäftsmodell unter die Kriterien fällt, sollte vor der Anmietung Kontakt zur städtischen Wirtschaftsabteilung aufnehmen statt sich erst nach Vertragsunterschrift eine Absage einzuhandeln – bei einem Deckel von 5.000 Euro lohnt sich diese Rückfrage in jedem Fall. Bearbeitet wird der Antrag von der Wirtschaftsabteilung der Stadt Graz, nicht von einer externen Förderstelle – ein direkter Draht, den es in dieser Form bei vielen Bundes- oder Landesförderungen mit deutlich längeren Bearbeitungsketten nicht gibt.
Für alle, die noch unentschlossen zwischen Reininghaus, Smart City Graz und einem Standort in der historischen Innenstadt sind, gilt eine einfache Faustregel: Wer von Anfang an mit niedrigeren Fixkosten kalkulieren muss oder ein Geschäftsmodell hat, das noch wachsen soll, findet in den beiden neuen Stadtteilen die günstigeren Einstiegsbedingungen und eine aktive Förderung. Wer dagegen von hoher Laufkundschaft und etablierter Infrastruktur abhängt, ist in der Innenstadt trotz höherer Mieten oft besser aufgehoben. Beide Wege schließen einander nicht aus – ein Zweitstandort im neuen Stadtteil neben einer bestehenden Adresse in der Innenstadt ist eine Option, die sich mit der einmaligen Förderung durchrechnen lässt, bevor man sich langfristig festlegt.